Ungewöhnlicher Ausflugstipp: Ab ins Gefängnis

Für alle, die morgen nicht unbedingt mit dem Bollerwagen durch die Landschaft ziehen wollen, aber trotzdem Lust auf einen tollen Ausflug haben, dem legen wir ein ganz besonderes, ungewöhnliches holländisches Dörfchen nahe der deutschen Grenzen ans Herz: Die ehemalige Gefängniskolonie Veenhuizen in der holländischen Region Drenthe ist nicht ohne Grund Anwärter auf die Liste des Unesco Weltkulturerbes.  Das kleine beschauliche Dorf in der Nähe von Groningen strahlt Schönheit und vor allem Ruhe aus. Bis 1981 sah das allerdings anders aus: Veenhuizen war ein trostloses Gefängnisdorf inmitten einer Moorlandschaft. Wer hier lebte, war entweder inhaftiert oder arbeitete und lebte rund um das Gefängnis in einem der 150 Nebengebäude. Dass hier unter anderem einmal das Hotel „bitter en zoet“ entstehen würde, war lange nicht vorstellbar.

„Bitter en zoet ist die Bezeichnung für eines der fünf Gebäude, die zusammen den ehemaligen Hospitalkomplex in Veenhuizen gebildet haben – hier wohnte einmal der Apotheker“, erzählt uns Loes, die gemeinsam mit ihrem Mann Rik Dortmond das Hotel sowie das angeschlossene Restaurant führt. 1981 entschied sich das niederländische Justizministerium, nur noch das Gefängnis weiter zu betreiben, aber die 150 Nebengebäude aufzugeben und an die Gemeinde zu übergeben. Eine große Herausforderung für die Gemeinde, denn alle Gebäude sind ‚Reichsmonumente‘, stehen unter Denkmalschutz und dürfen somit weder abgerissen, noch komplett umgebaut werden.

 

Kein Wunder, dass die Gebäude des Hospitalkomplexes fast 20 Jahre leer standen, bis ein Konzept für die Umnutzung entwickelt war.  Insgesamt sechs Jahre dauerte allein die Konzeptions-, Sanierungs- und Umbauphase des Hospitalkomplexes zum Hotel. „Dass vier Gebäude miteinander verbunden werden, war relativ schnell klar. Ein moderner, völlig transparenter, ungefähr 500m² großer Neubau, in dem wir die Rezeption und das Restaurant unterbringen konnten, verbindet die drei Dienstwohnungen, in denen sich die Hotelzimmer befinden, mit dem Küchengebäude.“  Auf der Terrassenseite lässt sich das Restaurant über die gesamte Breite mit einer Glas-Faltwand öffnen. „Ich bin selber gerne draußen, so dass der Einsatz der Glas-Faltwand mit ihrer hohen Transparenz und der großen Öffnungsmöglichkeit perfekt ins Konzept passt“, so der verantwortliche Architekt  Jan van den Burg.

Das ganze Hotel ist ausgesprochen liebevoll eingerichtet, die Atmosphäre entspricht eher der eines privaten Wohnhauses. Dazu passt auch die Philosophie des Restaurants: „Veenhuizen war als Gefängniskolonie autark und als Selbstversorger organsiert. Für mich und meinen Mann war es klar, dass wir diesen Gedanken aufnehmen. Wir haben zwei große Gemüse- und Kräutergärten angelegt, halten Hühner und Bienen.“

Vielleicht ist es auch das, was Veenhuizen und das bitter en zoet zu einem ganz besonderen Ort machen: Die Stimmigkeit der Details, der Häuser, Gärten und die Atmosphäre des Dorfes zieht sich durch alles wie ein unsichtbarer Faden. Wer also einmal einen etwas anderen „Vatertagsausflug“ mit der ganzen Familie plant, dem legen wir Veeenhuizen und das bitter en zoet sehr ans Herz.

Selbstverständlich kann man sich auch eine oder mehrere Übernachtungen oder einen tollen Restaurant-Besuch im bitter en zoet gönnen.
Mehr Infos und Buchungen unter http://bitterenzoet.nl/ 

 

9.Mai.2018 | Dieser Artikel stammt aus der Feder von und wurde in der Kategorie Objektreportagen abgelegt.

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