Traumhaus Passivhaus – Tipps und Tricks für die Planung

Mit dem Begriff Passivhaus wird ein Gebäudestandard bezeichnet, der energieeffizient, komfortabel, wirtschaftlich und umweltfreundlich zugleich ist. Soweit die Definition. Doch was bedeutet dies eigentlich im Detail? Beginnen wir mit ein paar Beispielen: Ein Passivhaus verbraucht 90 % weniger Heizwärme als ein herkömmliches Gebäude im Baubestand und selbst im Vergleich zu einem durchschnittlichen Neubau werden mehr als 75 % eingespart. Zudem darf ein Passivhaus die Höchstmenge von 1,5 Liter Heizöl pro Quadratmeter pro Jahr nicht überschreiten – im Schnitt verbrauchen Deutsche 15,4 Liter Heizöl pro Quadratmeter.  Doch das ist noch längst nicht alles. Am Beispiel der Familie Schrooten aus dem niederländischen Wierden sind wir dem Thema Passivhaus einmal genauer auf den Grund gegangen.

Zur Beruhigung erst einmal vorab: Auch für Familie Schooten war das Thema „Passivhaus“ zu Beginn ein Buch mit sieben Siegeln. Erst die Ausschreibung ihres Traumgrundstückes durch die Gemeinde veranlasste sie, sich intensiv damit auseinanderzusetzen – denn Kaufrecht bekamen nur diejenigen, die den nachhaltigsten Hausentwurf vorlegten. Alle Teilnehmer mussten Pläne für möglichst nachhaltige Gebäude einreichen.  Nicht nur geringster Energie- und Wasserverbrauch, sondern auch das verwendete Baumaterial sowie Barrierefreiheit und die Nutzbarkeit des Hauses im Alter waren entscheidende Kriterien, die die Gemeinde bei der Vergabe der Grundstücke bewertete. Gemeinsam mit dem von der Familie beauftragten Architekten und anderen Experten vertieften sich die Bauherren in alle geforderten Komponenten – und erhielten den Zuschlag.

„Unser Haus hat viele durchdachte Details, die heute möglich machen, dass wir im Monat maximal 10 Euro Energiekosten haben – und das bei einer über das ganze Jahr durchgängigen Raumtemperatur um 21 Grad,“ so Henriëtte Schrooten über ihr Passivhaus. „Die Sonne ist unsere wichtigste Energiequelle.“  So sorgt die Solaranlage auf dem Dach für warmes Wasser, durch die Glasfassade auf der Südseite wird das Innere des Hauses durch die Sonne gewärmt, die Nordseite ist weitgehend geschlossen. Der vorgesetzte Wintergarten dient zudem als eine Art Wärmepuffer für das Wohnzimmer. Obwohl dieser Bereich – anders als beim klassischen Wintergarten – nicht wärmegedämmt ist, schafft die Glas-Faltwand SL 45 eine große Glasfassade, die die Wärme der Sonne im Inneren speichert. Die dort gesammelte Wärme kann so für das angrenzende Wohnzimmer genutzt werden.

 

Viele unterschiedliche Komponenten wie die Dreifachverglasung in allen Fenstern sowie gute Dämmung und Luftdichtheit des Gebäudes machen das Haus schließlich zu einem Passivhaus. „Passiv“ ist aber in den Augen der Bauherren ein völlig falscher Ausdruck. Die Familie hat viel ausgewertet, die Raumtemperatur beobachtet, den Sonnenstand, den Einsatz der Heizung und Lüftung. „Seitdem wir eingezogen sind, haben wir viel optimiert und auch unser eigenes Lüftungs- und Heizverhalten angepasst. So öffnen wir unser Dachfenster jetzt immer dann, wenn es im Haus durch Sonneneinstrahlung zu warm wird, damit die Luft nach oben abziehen kann. Passiv ist das ganz sicher nicht – im Gegenteil: Ein Passivhaus braucht aktive Benutzer.“

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KURZ UND KNAPP AUF EINEN BLICK

Das Passivhaus

  • Mit dem Begriff Passivhaus wird ein Gebäudestandard bezeichnet, der energieeffizient, komfortabel, wirtschaftlich und umweltfreundlich zugleich ist
  • Das Haus verbraucht 90 % weniger Heizwärme als ein herkömmliches Gebäude im Baubestand und selbst im Vergleich zu einem durchschnittlichen Neubau werden mehr als 75 % eingespart
  • Ein Passivhaus darf eine Höchstmenge von 1,5 Liter Heizöl pro Quadratmeter pro Jahr nicht überschreiten (im Schnitt verbrauchen Deutsche 15,4 Liter Heizöl pro Quadratmeter)
  • Abgegebene Wärme von Lebewesen und Maschinen wird durch eine sehr gute Wärmedämmung innerhalb des Gebäudes gehalten und ist der Hauptbestandteil der erzeugten Wärme
  • Wärmebrücken (= Bereiche in Bauteilen eines Gebäudes, durch welche die Wärme schneller nach außen transportiert wird als durch die angrenzenden Bauteile) werden innerhalb eines Passivhauses vermieden
  • Große Glasflächen sparen Heizenergie, da durch die Sonne viel Wärme eingetragen wird

Kosten und Förderung

  • Ein Passivhaus kostet im Schnitt 5 bis 15 % mehr als ein gewöhnlicher Neubau
  • Der Bau eines Passivhauses kostet etwa 1.400 € pro Quadratmeter
  • Die Förderung wird innerhalb der EU unterschiedlich geregelt. In Deutschland bezuschusst die KfW-Bank den Bau eines Passivhauses in Form eines Darlehens
  • Der Höchstbetrag für die Förderung liegt bei 50.000 € je Wohneinheit, bis max. 100 % der Bauwerkskosten (Baukosten ohne Grundstück)
  • In den Niederlanden läuft die Förderung direkt über die Gemeinde und ist dementsprechend individueller
 

29.Mai.2019 | Dieser Artikel stammt aus der Feder von und wurde in der Kategorie Objektreportagen abgelegt.

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